Die Heldenreise

Im Jahre 1948 schrieb der amerikanische Autor Joseph Campbell sein Werk „The Hero With A Thousand Faces“.

Campbell studierte die Sagen, Mythen und Traditionen aller bekannten Kulturen, unter anderem die der Ägypter, Azteken, Eskimos, Indianer, Juden, Teutonen, Russen und Nigerianer, die Lehren des Taoismus und viele andere.

Er fand schließlich heraus, dass alle diese Mythen und Überlieferungen bestimmte, sehr ausgeprägte Übereinstimmungen aufwiesen.

Einer dieser immer wieder auftretenden Archetypen ist die tiefgreifende, transformatorische Erfahrung, die ein Mensch im Verlauf seiner Lebensreise macht – indem er seine Mission findet, Verantwortung für sich selbst übernimmt und schließlich seinen individuellen Beitrag zur menschlichen Gesellschaft leistet.

Die Heldenreise beginnt mit dem Ruf des Unbekannten ...

Die Heldenreise beginnt mit dem Ruf …

Joseph Campbell beschreibt in seinem Buch unbekannte und bekannte Personen – wie Jesus und Buddha – die diesen Weg gingen.

Campbell fand heraus, dass jeder, der Bedeutendes erreicht hat, der auf irgendeinem Gebiet ein „Held“ wurde, durch ähnliche Lebensphasen gegangen war – die Phasen der Heldenreise.

1986 griff die Schriftstellerin Carol Pearson diesen Stoff auf und erweiterte in ihrem Buch „The Hero Within“ die Heldengeschichte um eine feminin geprägte und an unsere heutige Zeit angepasste Perspektive.

Robert Dilts und Steven Gilligan verwendeten beide Werke als Basis für ihr kraftvolles Trainings- und Veränderungsformat „The Hero’s Journey“.

Ich habe im folgenden die Phasen oder Schritte dieser Reise frei übersetzt.

1. Den Ruf hören

Dies kann durch ein Problem geschehen, das immer wieder auftritt und nicht verschwindet – und dadurch angeschaut werden muss. Es kann ein Impuls sein, plötzlich seine Arbeit oder seinen Beruf zu wechseln oder auf die Suche nach seiner Berufung zu gehen. Es kann auch der Entschluss zur Veränderung in einem bestimmten Lebensbereich sein wie die Änderung der Essgewohnheiten, Sport treiben oder ein Wandel im Denken. Der Ruf kann Dich in jeder Form und Größe erreichen.

2. Den Ruf annehmen

Wenn Du den Ruf „hörst“, kannst Du Dich entscheiden, ihn anzunehmen oder nicht. Es ist Deine Entscheidung, ob Du das Risiko eingehst Deinen Beruf zu wechseln, um mehr das zu tun, wozu Du Dich berufen fühlst – oder die Unannehmlichkeit, jeden Tag eine Stunde eher aufzustehen um Joggen zu gehen oder Yoga zu praktizieren. Oder was auch immer erforderlich ist. Wenn Du den Ruf annimmst, beginnst Du Deine Heldenreise.

3. Die Schwelle überschreiten

Die Schwelle zu überschreiten bedeutet, Neuland zu betreten. Es bedeutet, sich mit dem Unbekannten auseinanderzusetzen und es bedeutet in der Regel, dies allein zu tun. Zumindest am Anfang. Diese Phase beinhaltet es, ein Risiko einzugehen, seine Angst zu akzeptieren und ins „Niemandsland“ einzutreten.

 4. Einen Helfer oder Mentor finden

In den alten Mythen erscheint der Helfer oft im Traum oder als Tiergeist – was auch bedeutet, dass dieser Helfer ein Aspekt unseres eigenen Unbewussten sein kann. Wenn Du ein Trainingsprogramm startest, findest Du vielleicht einen Trainer oder einen virtuellen Mentor in Form einer Videoanleitung. Wenn Du Deinen Beruf änderst, wirst Du Dir vielleicht jemanden als Vorbild nehmen, der das schon erreicht hast, wonach Du jetzt strebst. Für Kinder ist der Mentor meistens ein Elternteil oder ein anderer Erwachsener.

5. Einer Herausforderung begegnen

Auch genannt „Einem Dämon begegnen“, „Dem Drachen ins Auge schauen“ … Jeder muss auf seiner Heldenreise einen oder mehrere Tests bestehen. Die Herausforderung kann durch eigene Fehler und Schwächen kommen, ein Hindernis, ein Problem, einen Rückschlag oder einen Gegner (welcher dann zum Lehrer wird).

6. Den „Dämonen“ umwandeln

Dies bedeutet, die Herausforderung/das Problem/das Hindernis/den Gegner in eine Ressource oder einen Ratgeber zu verwandeln.

Dies kann dadurch geschehen, dass Du:

  • eine besondere Fähigkeit entwickelst, oder
  • eine ungewöhnliche Ressource / ein besonderes Werkzeug entdeckst.

7. Die Aufgabe vollenden

Dies bedeutet, erfolgreich zu sein in dem, was Du Dir vorgenommen hast – mit der Aufgabe, zu deren Erfüllung Du gerufen wurdest. Es bedeutet, dass  Du Dein in Schritt 1 gesetztes Ziel erreicht hast. Der Erfolg wird nicht notwendigerweise so aussehen, wie Du ihn Dir vorgestellt hast – denn alle Schritte zur Vollendung formen und verändern das Ergebnis.

Dies kann auch eine Phase des Misserfolgs sein, der in Wirklichkeit kein Misserfolg ist, sondern eine weitere Form des Lernens und Wachsens, die Deiner Weiterentwicklung dient. Wenn Du bei allem erfolgreich warst, was Du Dir vorgenommen hattest, dann warst Du nicht fordernd genug mit Dir selbst, Dein volles Potential zu erreichen.

8. Den Weg zurück nach Hause finden

Dieser Schritt ist sehr wichtig. Du musst das, was Du gelernt, erworben und vollbracht hast, zu „Deinen Leuten“ zurückbringen. Du musst Deine Erkenntnisse und Errungenschaften in Deine Gemeinschaft integrieren und es in den Dienst ihres Erfolgs stellen.

Dies bedeutet:

  • zu teilen, was Du gelernt hast
  • jemandem zu helfen, der auf einer einer Reise ist ähnlich der, die Du zurückgelegt hast
  • andere zu lehren

oder auf eine andere Art zu Geben.

Wenn Du wächst, wirkt sich dies positiv auf die ganze Gesellschaft aus. Dein Erfolg ist der Erfolg aller. Du wirst zu einem Vorbild, einem Mentor, einem Führer oder Lehrer. Wenn Du Arzt bist, wirst Du ein Heiler in Deiner Gemeinschaft.

Wenn dieser Schritt der Heldenreise fehlt, dann wirst Du feststellen, dass sich Dein Erfolg aus Schritt 7 auf mysteriöse Weise abschwächt oder durchkreuzt wird – solange bis Du einen Weg findest, das was Du gewonnen hast, mit den Leuten zu teilen, die es brauchen – oder mit denen, die Dir auf Deiner Reise geholfen haben.

Deine Heldenreise muss der Gesellschaft zugute kommen.

Als ich dies zum ersten Mal las, erkannte ich:

Dies ist meine Reise!

Hast Du Dich auch wiedererkannt?

Wir sind alle Helden auf unsere Weise – auch wenn wir unseren Weg noch nicht zu Ende gegangen sind. Das Wichtigste ist, sich auf den Weg zu machen.

Alles Gute

Thomas Fuchs

Thomas Fuchs, NLP-Coach

PS: Ich freue mich auf den Workshop in Leipzig am 12. Juli. Hier findest Du die Ankündigung.

Quelle für die übersichtliche Kurzbeschreibung der einzelnen Schritte: http://www.nlppati.com/articles/hero-journey.shtml

 

About Thomas Fuchs

Geboren 1968 in Berlin Gelebt bis jetzt in Leipzig und Paris Stationen: Elektrotechnik - Internationaler Vertrieb - Flirtcoach - Lifecoach

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