Selbsterkenntnis und Selbstliebe

  • Warum sind persönliche Veränderungen oft so schwer, obwohl wir diese Veränderungen wirklich wollen?
  • Gibt es Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen?
  • Und wenn ja – welche?

Der Kampfkünstler Bruce Lee schreibt dazu:

„Um von dem verschieden zu sein, was wir sind, müssen wir ein Bewusstsein von dem entwickeln was wir sind. Man kann ohne das Bewusstsein von einem Selbst, das Selbstbewusstsein, nicht feststellen, ob dieses Verschiedensein nur zu einer Verstellung führt oder zu einer wirklichen Änderung.
Es ist bemerkenswert, dass genau diejenigen, die am meisten mit sich selbst unzufrieden sind, die am stärksten nach einer neuen Identität suchen, auch das wenigste Selbstbewusstsein haben. Sie haben sich von einem ungewollten Selbst abgewendet und konnten es deshalb nie genau untersuchen.
Das führt dazu, dass die meisten unzufriedenen Leute sich weder verstellen noch eine wirkliche Änderung erreichen können. Sie sind durchschaubar, und ihre ungewollten Eigenschaften bestehen durch alle Versuche von Selbst-Dramatisierung und Selbst-Umwandlung.“ (aus „Bruce Lees Jeet Kune Do“ von Linda Lee)

und José Arguelles schreibt in „Surfer der Zuvuya“:

„Der erste Schritt zur Reinigung der eigenen Wellenform ist, die eigene Wellenform zu kennen.“

Meiner Meinung nach ist der erste Schritt zur Veränderung die:

Selbsterkenntnis.

Und ich kenne zwei Wege, mich selbst kennenzulernen …

  1. Das, was mir von anderen, durch ihr Verhalten oder ihre Worte, zurückgespiegelt wird.
  2. Das, was ich selbst an mir beobachte.

Die beste Gelegenheit zur Selbsterkenntnis ist für mich die Meditation.

Selbsterkenntnis

Vielleicht denkst Du jetzt an irgendwelche speziellen oder gar rituellen Techniken, bestimmte Schritte, die Du befolgen musst oder eine bestimmte Sitzhaltung … Nein.

Du musst natürlich auch nicht auf einen Berg steigen oder für 5 Jahre in einer Höhle leben.

Meditation ist für mich jede Tätigkeit, bei der ich die Gelegenheit habe, meine Gedanken und Emotionen zu beobachten – und diese Gelegenheit nutze.

Eine Möglichkeit ist, sich 15 oder 30 Minuten einfach hinzusetzen. Dies kann mit aufrechtem Oberkörper auf der Kante eines Stuhles sein, oder auch in einer typischen Meditationshaltung.

Sitze einfach so, ohne Bewegung, und beobachte Deine Gedanken und Gefühle. Tue dies ohne Wertung, ohne jedes Urteil. Lasse alles zu, was sich zeigt. Vielleicht schaffst Du es sogar, Neugier zu entwickeln?

Natürlich kannst Du dies auch beim Abwaschen tun, beim Joggen, beim Yoga …

Wenn Du dies regelmäßig tust und dabei einfach Deine Gedanken und Emotionen beobachtest, wirst Du bestimmte, immer wiederkehrende Themen erkennen. Diese Muster sind wie kleine Programme, die unbewusst ablaufen.

Selbstakzeptanz

Zum Beispiel reagierst Du immer in den gleichen Situationen ärgerlich, verlegen oder traurig, scheinbar ohne richtigen Grund. Oder denkst vielleicht immer wieder: „Ich hab mich in dieser oder jener Situation falsch verhalten“ oder „Ich bin wertlos, klein, unwürdig …“ – was auch immer.

Nun, Du solltest zunächst wissen, dass Du dies nicht bist. Aber trotzdem gibt es vielleicht diese innere Stimme, die Dir das sagt. Nennen wir sie hier einfach mal „Das Ego“.

Nun wirst Du vielleicht wütend und denkst: „Ich will diese Stimme, dieses Ego nicht! Ich hasse es und will es loswerden!“

Dann solltest Du wissen, dass alles – auch das Ego (!) – eine gute Absicht hat!

Die positive Absicht des Ego ist, Dich überleben zu lassen.

Und mit großer Wahrscheinlichkeit ist dieses kleine Programm – zum Beispiel der übertriebenen Selbstkritik – aus früherer Sicht einmal hilfreich gewesen.

Es könnte zum Beispiel sein, dass Dein Vater (oder Deine Mutter) als Kind viel Leistung von Dir gefordert hat, und Du dachtest, Du musst diese Leistung immer bringen um geliebt zu werden. Dein Ego hat dann dieses Programm entwickelt, um geliebt zu werden.

Nun bist Du erwachsen, und das Programm ist nicht mehr nützlich. Mehr noch, es hindert Dich daran, neue positive Erfahrungen zu machen.

Gut, dass Du es gefunden hast!

Jetzt kommt der nächste Schritt:

Selbstakzeptanz und Selbstliebe.

Du musst bereit sein, alles zu akzeptieren: Deine Gedanken, Gefühle, auch Deine vergangenen Handlungen. Mach Dir bewusst, dass Du entsprechend Deinen Möglichkeiten und Deinem Entwicklungsstand immer das Beste getan hast.

Ron Smothermon schreibt in „Drehbuch für Meisterschaft im Leben“:

„Schuld basiert vornehmlich auf der Angst, der Mensch zu sein, der Sie zu sein fürchten. Sie kennen ihn. Der, der schüchtern, linkisch ist, andere nicht mag, ihnen Schlechtes wünscht, keinen Mut hat, dumm ist und so weiter. Dachten Sie etwa, Sie wären der einzige? Das sind Sie nicht. …
Tun Sie also sich selbst und uns anderen einen riesigen Gefallen, indem Sie sich mit der Kleinlichkeit, derer Ihr Verstand fähig ist, konfrontieren und die Verantwortung dafür übernehmen. Erst wenn Sie das tun, können Sie je erleben, wie groß, wie mächtig, wie wirklich schön Ihr Leben natürlicherweise ist. Unter all dem Zeug, das Sie zu sein fürchten, ist der, der Sie wirklich sind. Und lassen Sie mich Ihnen sagen, ob Sie das glauben oder nicht: Wer Sie sind, ist wirklich großartig.“

Und wieder José Arguelles:

„Wenn wir uns selbst nicht lieben und uns selbst nicht akzeptieren als genau die, die wir sind, wird es auch niemand anders tun. Dies ist der Teil, wo wir uns selbst alle unsere Unvollkommenheiten verzeihen müssen. Vielleicht sind eure Finger zu dick. Ihr seid Alkoholiker. Ihr konnten euer Übergewicht nach dem dritten Kind nicht reduzieren … Unvollkommenheiten sind wie Fehler und Einschlüsse in einem Kristall. Jene Fehler und Einschlüsse geben dem Kristall seinen Charakter. Wenn wir unsere Kristalle in der Sonne liegen lassen, werden sich nach einiger Zeit jene Fehler und Einschlüsse in irisierendes, farbiges Licht verwandeln.“

Lassen wir also die Sonne des Bewusstseins und der liebevollen Akzeptanz auf alles scheinen, was wir sind!

Wenn Du Dich selbst noch nicht lieben kannst, mit all Deinen Stärken, Schwächen, Fehlern und sonstigen Eigenschaften, mit allem was Du jemals getan, gefühlt und gedacht hast – und was Du jetzt fühlst und denkst: Dann akzeptiere Dich damit. Das ist der erste Schritt und zunächst einmal ausreichend.

Selbstliebe

  • Und wenn ich mich nicht akzeptieren kann?
  • Wenn ich meine Wut oder das, was ich gestern wieder gemacht habe, absolut nicht ertragen kann?
  • Wenn ich mich in bestimmten Situationen hasse?

Dann akzeptiere, dass Du Dich nicht akzeptieren kannst.

Die Nicht-Akzeptanz ist ein Teil von Dir und sowieso da – und anstatt gegen diesen Teil zu kämpfen, kannst Du ihn genauso gut akzeptieren.

Wenn Du soweit bist, dann wird es jetzt wirklich heiß. 😉

José Arguelles schreibt:

„Nun folgt die radikalste Bewegung von allen: das Zurückholen unserer Macht. … in einer Situation, zu der wir ein Leben lang „nein“ gesagt haben, sagen wir jetzt „ja“. Tun wir es gründlich.“

Dies ist der größte Schritt, und der Mutigste. Für mich ist die Überwindung kleinlicher Ego-Verhaltensmuster, Programme und Konditionierungen gleichbedeutend mit dem Gewinn von Freiheit.

Und Du kannst dies ganz einfach tun. Du brauchst nicht einmal die vorangegangenen zwei Schritte. Es reicht dieses radikale „Ja“ dort, wo Du vorher immer „Nein“ gesagt hast.

Dies ist:

Ein „Ja“ zum Leben.

Alles Gute

Thomas Fuchs

About Thomas Fuchs

Geboren 1968 in Berlin Gelebt bis jetzt in Leipzig und Paris Stationen: Elektrotechnik - Internationaler Vertrieb - Flirtcoach - Lifecoach

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